Digitalisierung & meine Schule

mika-baumeister-4bF980HkVWA-unsplash

In der digi­ta­len Welt muss sich auch die Schu­le „neu […] erfin­den, um einen zukunfts­fä­hi­gen Unter­richt zu gestal­ten. Es ist unse­re Auf­ga­be ein neu­es Ver­ständ­nis von Ler­nen und Leh­ren im 21. Jahr­hun­dert zu gestal­ten, wel­ches sich zum Teil fun­da­men­tal von der 200 Jah­re alten Tra­di­ti­ons­schu­le unter­schei­det. Die Schu­le — wie wir und unse­re Eltern/Großeltern sie ken­nen —  ist unse­rer Zeit ent­wach­sen. Sie ent­stammt einem ande­ren Zeit­geist” — so Leh­rer und Semi­nar­lei­ter Jan Ved­der, des­sen Blog­bei­trag „Schu­le um Wan­del — Eine Geschich­te in 15 Bil­dern” bereits vor Coro­na anschau­lich auf­zeig­te, für wel­che Ent­wick­lun­gen und Ver­än­de­run­gen sich die Schu­le wapp­nen muss. Durch die Coro­na-Pan­de­mie haben Schu­len einen „Digi­ta­li­sie­rungs­schub“ erfah­ren.

Um die­sen „Schub rich­tig nut­zen” zu kön­nen und Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen begeg­nen zu kön­nen, soll­ten Sie als (ange­hen­de) Lehrer*innen neben Ihren eige­nen Fähig­kei­ten, der eige­nen „Digi­ta­li­sie­rungs­hal­tung” und Ihrem eige­nen Medi­en­nut­zungs­ver­hal­ten auch das Ihrer „Wir­kungs­stät­te”, Ihrer Schu­le, in den Blick neh­men und reflektieren:

Icons Aufgabe

Digitale Bildung an Schulen

Aktu­ell exis­tiert eine Viel­zahl an Model­len, die ver­schie­de­ne mit Digi­ta­li­sie­rung bzw. Digi­ta­li­tät bzw. digi­ta­ler Bil­dung ver­bun­de­ne Pro­zes­se, Ziel­set­zun­gen oder Kom­pe­ten­zen ver­an­schau­li­chen — und die Zahl wächst ste­tig. Einen guten Über­blick bie­tet z.B. der Blog-Bei­­trag „Digi­ta­li­en sucht das Super­mo­dell” von Leh­rer und Semi­nar­lei­ter Jan Vedder.

Wich­tig ist: Es gibt — wie so oft — nicht das „eine, rich­ti­ge” Modell, wel­ches an Schu­len die Umset­zung und För­de­rung digi­ta­ler Bil­dung ermög­licht. Viel­mehr gilt es, sich zunächst damit aus­ein­an­der­zu­set­zen, wel­che Bedin­gun­gen an der Schu­le herr­schen. Zen­tral ist dabei die Fra­ge nach dem Medi­en­nut­zungs­ver­hal­ten von Lehrer*innen, Schüler*innen und die Medi­en­nut­zungs­mög­lich­kei­ten an der Schu­le allgemein.

Einstieg digitale Medien und Reflexion zur Mediennutzung an der Schule

Das SAMR-Modell von Ruben R. Puen­te­du­ra (2006) gehört zu den wohl am häu­figs­ten zitier­ten ‘Model­len’, wenn es um Bil­dung und Digi­ta­li­sie­rung geht. Ganz kurz zusam­men­ge­fasst stellt es eine Refle­xi­ons­hil­fe zum Tech­no­lo­gie­ein­satz im Bil­dungs­kon­text dar. Es eig­net sich, „um Leh­ren­den, die eher auf ana­lo­ge Lehr­mit­tel zurück­grei­fen, die Vor­zü­ge digi­ta­ler Werk­zeu­ge näher­zu­brin­gen. Am Modell lässt sich erklä­ren, wie die Bear­bei­tung und Gestal­tung von Auf­ga­ben durch tech­ni­sche Hilfs­mit­tel ver­bes­sert wer­den kön­nen.”  (http://homepages.uni-paderborn.de/wilke/blog/2016/01/06/SAMR—Puentedura—deutsch/, letz­ter Zugriff am 05.08.2021). Die fol­gen­de Gra­fik stellt das Modell bild­lich dar (für eine ver­grö­ßer­te Dar­stel­lung bit­te aufs Bild klicken):

An dem SAMR-Modell gibt es viel und sicher oft auch berech­tig­te Kri­tik. Ins­be­son­de­re ver­lei­tet die Dar­stel­lung als Stu­fen­mo­dell zu dem Trug­schluss, man müs­se Stu­fe für Stu­fe nach­ein­an­der erklim­men. Auch kann die Per­spek­ti­ve des Tech­no­lo­gie­ein­sat­zes zu einer wenig hilf­rei­chen ‘Wo liegt der Mehr­wert des Digi­ta­len?‘- Dis­kus­si­on füh­ren.  Als Refle­xi­ons­hil­fe kann es aller­dings auch hilf­reich sein, wenn Bil­dung im Kon­text der Digi­ta­li­tät neu gedacht wer­den soll.

Icon NerdMehr über­sicht­li­che Infor­ma­tio­nen zum SAMR-Modell erhal­ten Sie u.a. unter https://​blog​.medi​en​zen​trum​-coe​.de/​s​a​mr/ (letz­ter Zugriff am 05.08.2021).

 

Icon ChatDie obi­ge Gra­fik bie­tet sich u.a. dafür an, für sich allei­ne, aber auch gemein­sam mit Kolleg*innen zu dis­ku­tie­ren, wo Sie sich befin­den — am Ufer? Im U‑Boot?

Wie wer­den Medi­en in der Schu­le und im Unter­richt eingesetzt?

Wel­che digi­ta­len Gerä­te ste­hen zur Ver­fü­gung? Beden­ken Sie auch, wel­che digi­ta­len Gerä­te den Schüler*innen zuhau­se zur Ver­fü­gung stehen.

Wel­che digi­ta­li­sie­rungs­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen wer­den gefördert?

Wel­chen „Schub” hat Ihre Schu­le even­tu­ell durch Coro­na erfah­ren? Wel­che Schwä­chen wur­den offen­ge­legt — und wel­che Stär­ken sichtbar?

Wandel der Lern- und Prüfungskultur durch die Digitalität

In der ergän­zen­den Emp­feh­lung „Leh­ren und Ler­nen in der digi­ta­len Welt“ zur KMK-Stra­­te­­gie „Bil­dung in der digi­ta­len Welt” (09.12.2021) steht

Durch die Digi­ta­li­tät wer­den neue Lern­sze­na­ri­en ermög­licht, wel­che auf der Grund­la­ge die­ser Aspek­te guten Unter­richts zu ent­wi­ckeln sind. Zur För­de­rung und zur Wei­ter­ent­wick­lung des Leh­rens und Ler­nens in der digi­ta­len Welt bedarf es neben der grund­sätz­li­chen Ver­än­de­rung und Erwei­te­rung von Lern­an­ge­bo­ten auch der Ent­wick­lung einer neu­en Auf­­­ga­­ben- und Prü­fungs­kul­tur. Hier­bei gilt es, die inter­de­pen­den­te Ver­knüp­fung von Lern­zie­len und zu erwer­ben­den Kom­pe­ten­zen, von Lehr-Lern-Metho­­den und Auf­ga­ben­kul­tur sowie der Prü­fungs­kul­tur zu berück­sich­ti­gen.

Der Leh­rer und Lehrer*innenfortbilder Patrick Bron­ner schlussfolgert:

Die Digi­ta­li­sie­rung des Unter­richts wird nur dann erfolg­reich sein, wenn damit auch ein Wan­del der Lern- und Prü­fungs­kul­tur ver­bun­den ist.

Icon HinweisBei­spie­le für eine ver­än­der­te Lern- und Prü­fungs­kul­tur zeigt Patrick Bron­ner auf sei­ner Inter­net­sei­te  www​.patrick​bron​ner​.de. Stim­men und Model­le zu zukunfts­ori­en­tier­tem, per­so­na­lier­ten Unter­richts fin­den Sie auch auf der Sei­te eTea­ching in der Pra­xis in die­sem Online-Kurs.

Digitalisierung als Verstärker

Durch digi­ta­le Medi­en ver­än­dert oder ver­bes­sert sich Ler­nen und nicht auto­ma­tisch in eine bestimm­te Rich­tung. Ler­nen wird, wie Jör­an Muuß-Mer­­holz in sei­nem Blog­bei­trag „Die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­le“ als dop­pel­ter Geni­tiv schreibt, durch digi­ta­le Medi­en „nicht auto­ma­tisch ein­fa­cher oder indi­vi­du­el­ler oder effi­zi­en­ter oder unper­sön­li­cher. Schu­len wer­den durch digi­ta­le Medi­en nicht auto­ma­tisch moder­ner oder demo­kra­ti­scher oder öko­no­mi­scher oder inklu­si­ver. Es ist viel­mehr so, dass digi­ta­le Medi­en als extrem mäch­ti­ge Ver­stär­ker fun­gie­ren kön­nen. Sie ver­stär­ken nicht eine bestimm­te Rich­tung, son­dern in der jewei­li­gen Situa­ti­on vor­han­de­ne Mus­ter, Ten­den­zen, Zie­le und Interesse.”

„Wir digi­ta­li­sie­ren zuerst das, was sich am ein­fachs­ten digi­ta­li­sie­ren lässt, und nicht etwa das, was an bestimm­ten Zie­len aus­ge­rich­tet am sinn­volls­ten wäre.”

In der Schu­le sieht man aus die­sem Grund Bei­spie­le für inter­ak­ti­ve und digi­ta­le Quiz­auf­ga­ben, Erklär­vi­de­os, Online­kur­se und digi­ta­le White­boards. Weni­ger häu­fig kom­men kol­la­bo­ra­ti­ve Pro­jek­te mit digi­ta­len Tools, per­so­na­li­sier­tes Ler­nen und breit ange­leg­te agi­le und digi­ta­le Schul­ent­wick­lung vor.

„Opti­mie­ren wir im 21. Jahr­hun­dert die Schu­le, die im 19. Jahr­hun­dert geprägt und im 20. Jahr­hun­dert gefes­tigt wur­de? Oder ver­bin­den wir mit dem digi­ta­len Wan­del eine Neu­aus­rich­tung von Schu­le, in der nicht nur Lern­for­men, son­dern auch unse­re Bil­dungs­zie­le und Lern­in­hal­te auf den Prüf­stand kommen.”

Icon NerdMehr zum The­ma Digi­ta­li­sie­rung als Ver­stär­ker fin­den Sie in dem Blog­bei­trag von Jör­an und Kon­sor­ten „Die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­le“ als dop­pel­ter Geni­tiv” unter www​.joeran​.de.